Papier, Papier, Papier

Mit viel Fantasie, Abenteuerlust und einer noch größeren Menge an Papier präsentiert das Theater Kunstdünger „Schleichweg – Eine abenteuerliche Begegnung fast ohne Worte“. Das Stück für Kinder ab vier Jahren, inszeniert von Michil Thorbecke, erzählt von einer besonderen Freundschaft. Foto: Manfred Lehner

Eine Kritik von Jonas Krüger

Das zwei-Personen Stück “Schleichweg” erzählt von den Erlebnissen eines Mädchens mit großem rotem Schulranzen (Lydia Starkulla), welches auf dem Nachhauseweg von der Schule Bekanntschaft mit einer außergewöhnlichen Gestalt (Christiane Ahlhelm) macht: Es ist grau , irgendwo zwischen Spinne und Käfer angesiedelt und liebt Papier. Das namenlose Wesen nimmt das Mädchen mit auf ein Abenteuer der besonderen Art, welches das ungleiche Duo unter anderem durch die Großstadt und ein Höhlensystem führt.

Statt dutzender Requisiten ist ein großer Kasten auf die Bühne platziert, in dem eine schwarze Stoffbahn gespannt ist. Seien es Wohnzimmer, Stadtbild oder ein unterirdisches Tunnelsystem: Mit 55 Metern Stoff entstehen vielfältige Bilder, welche die Schauspieler*innen geschickt in ihr Spiel auf der Bühne integrieren. Mit einer an den Kasten montierten Kurbel kann sich die Stoffrolle, von links nach rechts, zurück oder von oben nach unten bewegen. Die Technik und Funktionsweise des Bühnenbildes ist für die Zuschauer*innen die ganze Zeit sichtbar. Das ist durchaus beabsichtigt, erklärte das Schauspielerinnen-Duo im Anschluss an die Vorstellung. Denn so können sich die Kinder selbst entscheiden, ob sie sich mehr von der Mechanik begeistern, oder auf die Geschichte einlassen wollen.

Die Handlung war denkbar einfach zu verstehen, da sie fast vollständig auf Mimik, Gestik und fein abgestimmten Slapstick-Humor baut. Zum Beispiel wenn das Wesen in den zu Papierbändern geschredderten Hausaufgaben des jungen Mädchens einen kleinen Tanz vollführt. Von Zeit zu Zeit kommt es zu einigen akrobatischen Einlagen, die die Begeisterung und den vollen Einsatz der beiden Schauspielerinnen nochmals unterstreichen. Das Papierwesen sprach durchgehend Kauderwelsch und nur ab und zu fanden sich Worte wie „Hausaufgaben“ oder „on the rocks“, etwa beim Überreichen eines Getränks als kleiner Insiderwitz für die Erwachsenen im Publikum, in den Dialogen wieder. Da die Handlung vor allem mittels Körpersprache und Bewegungsabläufe transportiert wird, bietet sich das Stück außerdem hervorragend für fremd- oder mehrsprachig aufwachsende Kinder und Familien an.

„Schleichweg“ ist ein Theaterstück, in dem Klein wie Groß der Alltagsrealität entfliehen können und sich schlicht und ergreifend für eine Dreiviertelstunde auf die Geschichte einer ungewöhnlichen jedoch wachsende Freundschaft einlassen können.

Zur Produktion

Eine Produktion vom Theater Kunstdünger

Inszenierung/Regie: Michil Thorbecke
Bearbeitung: Christiane Ahlhelm, Lydia Starkulla
Bühne: Sibylle Kobus
Kostüme: Bascha Schaucher
Dramaturgie: Xenia Bühler
Musik-/Sounddesign: Annegret Enderle

Mit Christiane Ahlhelm und Lydia Starkulla

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